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Rötha. Ein ungewöhnliches
Konzert erlebte die Georgenkirche zum
Ewigkeitssonntag. Zu hören waren Sibylle Neumüller
(Gesang) und das Leipziger Gemshorn Consortium. Das
reichlich einstündige Konzert hätte mehr Zuhörer
verdient als jene rund 30, die gekommen waren.
Die fünf Musiker verstanden es,
ihren historischen Instrumenten Töne von
erstaunlicher Klarheit, Zartheit und Lieblichkeit zu
entlocken. Schon beim ersten Stück, das sie spielten,
Vivaldis Sonate 12 d-moll "La Folia",
stellten sie unter Beweis, auf weich filigrane Weise
sie ihre Gemshörner beherrschen. Bei den von ihnen
interpretierten Kompositionen übernahm das Sopranhorn
zumeist die Stimmführung, die tieferen Instrumente
fungierten als Continuo.
Als scheinbarer Kontrast |
zum elegischen Charakter des
Gedenktages tauchte im Programm auch tänzerisch-heitere
Musik auf, so die "Pavana La Cornetta" aus
unbekannter Feder und Tilman Susatos (1500-1564)
"Bass Dance". Dank der Klangfarbe der Gemshörner
erhielten freilich auch diese einen Zug ins
Melancholische.
Die Zuhörer mussten leider
auf das zweite im Programm angekündigte exotische
Instrument, die keltische Harfe, verzichten. Aufgrund
der Kälte im Kirchenraum ließ sie sich schlecht
stimmen. Unter den herrschenden Temperaturen mutete
sich Sibylle Neumüller mit ihrem Konzertauftakt sehr
viel zu. Im Chorraum der Kirche stehend trug sie ein
auf Hildegard von Bingen zurückgehendes Kyrie a
capella vor. Dies stellte enorme Anforderungen an die
Stimme der Solistin. Sie musste Intervalle von einer
Art meistern, dass einem schon |
schwindlig werden konnte. Über
welche Variabilität und welches Gestaltungsvermögen
die Sängerin verfügt, zeigte sich besonders im
zweiten Konzertteil. Von den Gemshörnern begleitetet,
verlieh sie solch bekannten Liedern wie "Greensleeves"
und Johann Sebastian Bachs "Nun ruhen alle Wälder"
eine durchaus eigene Note. Als sehr kunstvoll erwies
sich auch ihr Vortrag von Heinrich Schütz´ "Also
hat Gott die Welt geliebet".
Aufgrund von Programmänderungen
war Matthias Dorschel auf der Silbermannorgel zu hören.
Er spielte Bachs "Wachet auf, ruft uns die Stimme"
und "Fahr hin, du schnöde Welt" von Johann
Gottfried Walther. Zwischendurch trug Pfarrer
Christoph Krebs Gebete und besinnliche Texte zum
Ewigkeitssonntag vor.
Hans Ketzer |